The Domain of the Great Bear
Ein dreiteiliges Projekt kuratiert von Anja Casser, Beate Engl und Luise Horn, kunstraum muenchen 2006/2007

 

Teil 1 | Workshop und Rahmenprogramm | Pdf der Einladungskarte | Pressetext (zum Download als Word-doc)
Teil 2 | Dystopische Landschaft |
Pdf der Einladungskarte | Pressetext (zum Download als Word-doc)
Teil 3 | Kosmische Sehnsucht
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Pdf der Einladungskarte | Pressetext (zum Download als Word-doc)

 

 

Teil 3 | Kosmische Sehnsucht

Mel Bochner & Robert Smithson, Marcel Broodthaers, Büro für Konstruktivismus,
Beate Engl, Christoph Keller, Tomas Saraceno, Stefan Wischnewski

Eröffnung: 17. Januar 2007, 19 Uhr / Dauer: 18. Januar bis 11. März 2007

Begleitprogramm:
31. Januar 2007, 19 Uhr, Cosmic Science III / Filmprogramm zusammengestellt von Marcel Schwierin, Filmemacher und Kurator, Berlin
7. Februar 2007, 19 Uhr, Die Idee der Raumfahrt. Von der Projektion zum Projekt / Vortrag von Rebekka Ladewig, Kulturwissenschaftlerin, Berlin
14. Februar 2007, 19 Uhr, Politik der Ekstase / Multimediale Vortragsperformance von Stefan Römer, Künstler, München

 

 

Im Zentrum der Ausstellung "Kosmische Sehnsucht" steht der Mythos vom unbegrenzten Raum des Weltalls. Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung ist der 1966 erschienene Artikel von Mel Bochner & Robert Smithson "The Domain of the Great Bear", in dem das Hayden Planetarium in New York als Ort der Wissensvermittlung und Simulation von kosmischer Wirklichkeit kritisch analysiert und manipuliert wird. Im Artikel verweisen die beiden Künstler immer wieder auf den Unterschied zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach einer Grenzerweiterung in kosmische Dimensionen und der real vorgefundenen, institutionellen Endlichkeit: Wie die Galerie oder das Museum die Kunst räumlich einschränkt, so reduziert das Planetarium den Weltraum auf ein "Modelluniversum", das in erster Linie durch die örtlichen Begebenheiten von Zeit und Raum bestimmt und auf die technischen Instrumentarien angewiesen ist.  

Seit 1966 hat sich durch die technische Entwicklung in der Raumfahrt und die zunehmende politische, ökonomische, aber auch kulturelle Verwertung des Weltalls die Vorstellung vom Kosmos entscheidend verändert. In "Kosmische Sehnsucht" werden Arbeiten von KünstlerInnen gezeigt, die sich mit den unterschiedlichen Fixierungen auf den Weltraum als utopischem Ort auseinandersetzen und dessen vielschichtigen Rückwirkungen auf die Erde nachspüren.

Eine von Kai Schiemenz in den kunstraum eingebaute, orbitale Struktur ist als Aufenthaltsort und Diskussionsplattform benutzbar. Sie dient gleichzeitig als Projektionsfläche für den vom Künstler neu produzierten Film "solar system", in dem die Planetenkonstellation in einer Turnhalle "erlaufen" wird. Minimale Eingriffe in die architektonische Situation des kunstraums nimmt die Arbeit "Wormholes" des Büro für Konstruktivismus vor, um die von der Architektur vorgegebene Struktur mit einer zweiten, künstlichen Ebene aus Styropor zu überdecken und die räumliche Wahrnehmung zu irritieren. Beate Engl öffnet in ihrer Licht-Sound-Installation den Blick in eine fiktive Inszenierung des Großen Bären und stellt zugleich die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und technischem Fortschritt. Für die Foto-Serie "Stay Tuned" fertigte Stefan Wischnewski einen Nachbau der bei der ersten Mondlandung verwendeten Spezial-Kamera an und suchte die damaligen, dem Mond in ihrer Kargheit vergleichbaren Landschaften für die Aufnahme-Tests auf, vor deren Kulisse er seinen Nachbau erneut ablichtete. Tomas Saraceno bezieht sich in der von ihm entwickelten frei schwebenden, ballonartigen "Airport City" auf die Sehnsucht des Menschen, losgelöst und unabhängig von der Erde zu existieren, während Christoph Keller den sogenannten "Chemtrails" nachspürt, die als Kondensstreifen am Himmel keiner Fluglinie zugeordnet werden können und bereits zu diversen spekulativen Interpretationsversuchen führten. Das in der Ausstellung gezeigte, auf Stéphane Mallarmé zurückgehende Künstler-Buch "Un Coup de Dés jamais n'abolira le Hasard" von Marcel Broodthaers transformiert das typographische und stark metaphorische Gedicht Mallarmés in Balken- und Linien-Kompositionen - die letzte Seite zeigt das Sternbild des Großen Bären und lässt so die besondere poetische Aufladung des Themas deutlich werden.

"Kosmische Sehnsucht" ist der dritte Teil des Ausstellungsprojekts "The Domain of the Great Bear". Der erste Teil legte mit einem Workshop und Vortragsprogramm die theoretische Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Faszination für unendliche, weite Räume und den realen Folgen menschlicher und technischer Expansion in neue oder neu zu erschließende Gebiete. Der zweite Teil, die Ausstellung "Dystopische Landschaft", widmete sich dem bei Smithson und Bochner ebenfalls thematisierten Blick zurück auf die Erde und zeigte Arbeiten von KünstlerInnen, die sich mit der desertifizierten Landschaft als Ort künstlerischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aktivitäten auseinandersetzen.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Stiftung Kunstfonds Bonn, die Hypo-Kulturstiftung und die Siemens AG.

 

 

 

 

Pressematerial:

The Domain of the Great Bear, dreiteiliger Flyer zum Recherche- und Ausstellungsprojekt des kunstraum muenchen

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Archiv mit Sourcebook / Materialsammlung
Im Vorfeld der Ausstellung fand über mehrere Tage ein interdisziplinärer Workshop im kunstraum statt, zu dem – neben den Beteiligten des kunstraum muenchen – die Landschaftsarchitektin Sandra Bartoli/Büro für Konstruktivismus (Berlin), der Künstler Kai Schiemenz (Berlin) und der Technikhistoriker Alexander Gall (München) eingeladen wurden. Referenzmaterial und Rechercheergebnisse sind in einem Buch zusammengefasst und liegen in der Ausstellung aus.

 

 

 

Cover von "The Domain of the Great Bear" von Mel Bochner und Robert Smithson (Art Voices, Herbst 1966)

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Mel Bochner & Robert SmithsonThe Domain of the Great Bear, in: Art Voices, Fall 1966 – Zeitschrift (Leihgeber: Library, The Museum of Modern Art, New York)

Der Artikel beschreibt einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York, das die beiden Künstler regelmäßig besuchten. Die damals vorgefundene architektonische Struktur und die verschiedenen Vermittlungsebenen musealer Präsentation werden zum Ausgangsmaterial für ein assoziatives Text- und Bild-Sampling, das den Ort unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet. Das Sternbild des "Großen Bären" steht dabei symbolisch für das Bedürfnis nach Grenzerweiterung in kosmische Dimensionen und ist gleichzeitig Ausgangspunkt für den Blick zurück auf die Erde.
Der Aufsatz ist ein frühes Beispiel für einen erweiterten Kunstbegriff der Concept Art, die die Entmaterialisierung des konkret fasslichen Kunstwerks und gleichzeitig die Produktion von Texten, Diagrammen und Fotografien propagierte.

Mel Bochner, geb. 1940 in Pittsburgh (USA), lebt in New York. Robert Smithson, 1938-1973, geb. in Passaic, NJ (USA)

 

 


N.N.

Marcel BroodthaersUn coup de dés jamais n’abolira le hasard, 1969
Künstlerbuch, 32,5 x 25 cm, 32 Seiten (Galerie Werner, Köln und New York)

Das Künstlerbuch Un coup de dés jamais n‘abolira le hasard stellt eine Adaption von Stéphane Mallarmés (1842-1898) gleichnamigem Gedichtband von 1914 dar, der als Vorläufer der modernen konkreten Poesie gilt, die mit einer abstrakt-visuellen Typographie arbeitet. Die Sinnfragmente des Gedichts bewegen sich an den Grenzen des Denkbaren und Darstellbaren und kreisen metaphorisch um Reisen durch Zeit und Raum sowie um einen Schiffbruch. Astrologische und kosmologische Referenzen durchziehen den Text, wobei die Analogie zwischen Himmel und Buchseite so weit geht, dass die letzte Doppelseite in der Verteilung der Verse dem Sternbild des Großen Bären nachempfunden ist. Broodthaers adaptiert diesen Text in seiner besonderen Typographie und transformiert ihn in ein Bild ohne Textelemente. Er ersetzt dazu die Wörter bzw. Zeilen durch schwarze Balken, die als unterschiedlich lange und dicke Linien gedruckt sind.

Marcel Broodthaers, 1924-1976, geb. in Brüssel (B)

 

 

Wormholes
Ansicht der Installation im kunstraum muenchen
Foto: Antje Hanebeck
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Büro für KonstruktivismusWormholes, 2006 – Installation mit Styropor und Holz

Am Ende des Films "Donnie Darko" von Richard Kelly reist Donnie durch ein Wurmloch und rettet die Welt. Die "Welt" ist das persönliche Universum von Familie, Zuhause, Schule und der Auseinandersetzung mit Erwachsenen, die ihre Unschuld und ihre Hoffnungen längst verloren haben und nun tagtäglich ihren Nachwuchs korrumpieren. Nachdem Donnie durch das Portal eines Wurmlochs getreten ist, findet er sich 28 Tage vor seiner Zeit in seinem Bett wieder, wo kurz darauf die Turbine eines Flugzeugs einschlägt.
"Jeden Tag blicke ich von meiner Wohnung aus auf den Potsdamer Platz in Berlin. Um ihn und über ihm ist das Nichts, oder besser: die Wirklichkeit. Die Welt." Die Architektur des Platzes mit seinen Baugerüsten und Werbeplakaten erscheint Sandra Bartoli als Weltgefüge ohne Fixpunkte, gleich einem Wurmloch mit verschiedenen Portalen. "Sie enden irgendwo in der Wildnis des Tiergartens, in der Bibliothek des Kulturforums oder in meinem Wohnzimmer."
In der Auseinandersetzung mit diesen realen und fiktiven Unorten entwickeln Sandra Bartoli und Silvan Linden eine Raumstruktur für den kunstraum, die sich durch die gesamte Ausstellung zieht. Wormholes verformt den Innenraum in einen Ort der Vorstellung: irgendwo zwischen dystopischer Neo-Romantik, dem Fremden im Banalen und der Aufhebung des Raum-Zeit-Kontinuums.

Sandra Bartoli und Silvan Linden leben und arbeiten in Berlin. Sie haben 2006 das Büro für Konstruktivismus gegründet.

 

Modelluniversum
Entwurf
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Beate EnglModelluniversum, 2007 – Licht- und Soundinstallation, 11 min

Die Installation Modelluniversium simuliert den Blick auf den leuchtenden Sternenhimmel. Das Gebiet des Großen Bären ist modellhaft aus Glasfasern und "Leds" nachgebaut, ähnlich wie in den Dioramen-Displays in Technikmuseen, die häufig eine eigene Atmosphäre der Faszination und Überhöhung ausstrahlen. Ein verfremdender Effekt tritt durch die Unterlegung der Installation mit einem tiefen Basston ein. Eingespielte Tonfragmente aus dem Film "Things to come" geben eine Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Wissenschaftlern über die wissenschaftliche Eroberung des Weltalls wieder: Während der Künstler, der im Film eine eher konservative Rolle einnimmt, den Fortschritt rigoros ablehnt und die Massen von dieser Haltung zu überzeugen versucht, äußern die Wissenschaftler zwar ebenfalls moralische Zweifel, sind aber letztlich von einer technikbestimmten Zukunft überzeugt.

Beate Engl, geb. 1973 in Regen, lebt und arbeitet in München.

 

 

The Chemtrails-Phenomenon
Videostills
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Christoph Keller The Chemtrails-Phenomenon, 2006, DVD, 10 min (Loop)

Die Arbeit The Chemtrails-Phenomenon reflektiert die seit Mitte der neunziger Jahre populären Verschwörungstheorie über die sogenannten "Chemtrails". Anhänger der Theorie glauben, dass durch Beigaben von Additiven wie Barium und Aluminium in das Flugbenzin der Zustand der Erdatmosphäre beeinflusst wird, ohne dass die Öffentlichkeit davon unterrichtet ist. Sichtbares Anzeichen hierfür sind die Kondensstreifen von düsengetriebenen Flugzeugen am Himmel, die sich seither ungewöhnlich ausbreiten. Das Video zeigt Stills von im Internet kursierenden Filmen über Chemtrails, die von Stimmen verschiedener Aktivisten begleitet werden. Keller thematisiert in seiner Arbeit das Genre der Grassroot-Bewegungen, die mit begrenzten technischen Mitteln ihre Botschaft verbreiten. Für ihn ist eine Verschwörungstheorie zunächst nicht wahr oder falsch, sondern ein Kulturprodukt.

Christoph Keller, geb. 1967 in Freiburg, lebt und arbeitet in Berlin.

The Whole Earth
Videostill
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Christoph Keller – The Whole Earth, 2007, Projektion auf Ballon, 4 min (Loop)

Die Arbeit The Whole Earth beschäftigt sich ebenfalls mit der Manipulation der Erdatmosphäre durch heimliche Beigaben zum Flugkerosin. Die auf den Wetterballon projizierten weißen Wolken vor blauem Himmel versinnbildlichen die Vorstellung vom blauen Planeten als heile Welt, wie sie seit den ersten Fotografien der Astro- und Kosmonauten im kollektiven Bildgedächtnis fest verankert ist. Die schwebende Kugel wird jedoch alle zwei Minuten von tosenden Flugzeugen durchstoßen, die die vermeintliche Idylle zerstören und das Bild vom blauen Planeten als Konstrukt entlarven.

 

 

Classification Air-Port-City / Genera, Species and Varieties
C-Prints
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Tomas SaracenoClassification Air-Port-City / Genera, Species and Varieties, (Teil der Serie Air-Port-City), 2001-2003
C-Prints

Das Projekt Air-Port-City steht im engen Zusammenhang mit ausgiebigen technischen Forschungen, die Tomas Saraceno im Bereich der Entwicklung von ballonartigen Luftfahrzeugen unternommen hat. Durch die Konstruktion eines innovativen Materials (Aerogel) ist es ihm gelungen, Ballons herzustellen, die leichter als die sie umgebende Luft sind und somit ohne die Verwendung eines Brenners, sondern allein durch die Sonneneinstrahlung in den Himmel aufsteigen. Air-Port-City ist die Vision einer schwebenden Ballonstadt, die die Sehnsucht des Menschen aufnimmt, losgelöst von der Erde und mit der Natur in Einklang zu existieren. Die Fotomontagen zeigen eine utopische Welt über den Wolken, grenzenlos, in ständiger Veränderung und ohne gesellschaftliche und politische Restriktionen.

Tomas Saraceno, geb. 1973 in San Miguel de Tucumàn (AR), lebt in Frankfurt.


 

solar system
Modell
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Kai Schiemenzsolar system, 2006
Zweiteilige Installation und Video, 17 min

Kai Schiemenz war Teilnehmer des Workshops zu The Domain of the Great Bear und hat die zweiteilige Installation solar system für den kunstraum neu konzipiert.
Eine orbitale Struktur hängt einer aus verschränkten Balkenkonstruktionen gebildeten Sitztribüne gegenüber, die in ihrer Formensprache an den russischen Konstruktivismus erinnert, und somit Assoziationen an dessen utopisches Potenzial wachrufen. Durch die Benutz- und Begehbarkeit der skulpturalen und zugleich architektonischen Elemente entsteht ein Raum, an dem der Besucher aktiv partizipiert und in dem sich soziale Aktivität entfalten kann. Schiemenz' Skulpturen können daher als Archiskulpturen bezeichnet werden, die als Denk- und Handlungsformen Kunst, Architektur und Veranstaltung miteinander verbinden. Das aus Pappe und Klebeband konstruierte, schwebende Objekt dient als Projektionsfläche für einen Film, in dem in einer Turnhalle eine Planetenkonstellation "erlaufen" wird und der zeitweise mit Musik von Jean-Michel Jarre unterlegt ist.

Kai Schiemenz, geb. 1966 Erfurt, lebt und arbeitet in Berlin

 

 


Stefan WischnewskiStay tuned, 2005, Installation mit 6 Fotos

Das auf Grundlage von vielseitiger Recherche- und Hintergrundarbeit entstandene Foto-Objekt-Projekt Stay Tuned greift das Thema der Medialisierung des Weltraums durch die Fotografie auf. Wischnewski hat die bei der ersten Mondlandung verwendete Spezial-Kamera aus Kleiderreisetaschen mit Weltempfänger, einer Reisetaschenlampe und Kopplung für eine Instant-Camera nachgebaut und suchte damit die damaligen Orte für die Aufnahme-Tests in Schweden auf, um dort erneut Fotos anzufertigen. So entstand an der schwedischen Westküste eine Fotoserie, die den Bezug zu der dort entwickelten Hasselblad Mondkamera aufnimmt und auf den zunehmenden Weltraumtourismus verweist. Wie die Mondkameras so hat auch der Künstler seine nachgebaute Kamera am Aufnahmeort zurückgelassen.

Stefan Wischnewski, geb. 1974 in Neumünster, lebt in München.

 

Stefan WischnewskiWorld Receiver Denver, 2006, Plastik

World Receiver Denver rekuriert auf die Übertragungstechnik eines Radioteleskops, die in den 1980er Jahren weltweit die aus den Tiefen des Weltraums kommenden Radiowellen empfangen sollten.

 

Stefan WischnewskiHubble, 2006, Plastik

Hubble ist eine ironische Übersetzung des weltberühmten Teleskops und verweist auf Illustrationen der in der Populärkultur vielfach rezipierten Space-Hotels.

 

Ausstellungsplan Kosmische Sehnsucht

Grösse: 200 kB

Download des Ausstellungsplans mit Texten zu den einzelnen Arbeiten und Pressetext als .pdf

 

Cosmic Science III / Filmprogramm zusammengestellt von Marcel Schwierin, Filmemacher und Kurator, Berlin

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte der Blick ins Weltall etwas Magisches. Kühnste Zukunftsfantasien schwärmten von Eroberung neuer Welten (die alte war ja schon aufgeteilt) und der Lösung der Überbevölkerungs-problematik. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass dieser Blick zunächst militärisch geprägt war. Gleichzeitig hatte er jedoch ein einigendes Moment. Allein die in Science-Fiction Filmen so gründlich ausgemalte Vorstellung 'Anderen' zu begegnen, ließ die auf der Erde so unüberbrückbaren Unterschiede zwischen den Menschen verblassen und schuf die Vorstellung einer geeinten Menschheit. Die technisch bis heute kaum überwindbaren Schwierigkeiten der bemannten Raumfahrt und die Einsamkeit der wenigen Menschen im All brachten die verfeindeten Blöcke zusammen. Auch die einzige wirklich nützliche Erfindung der Raumfahrt, der Satellit, dient der Kommunikation zwischen Menschen über große Distanzen, eben auch über Länder- und Systemgrenzen hinweg. Das Programm Cosmic Science III vollzieht diese Entwicklung in einem grossen Bogen nach, angefangen von einem deutschen Film der 40er Jahre über amerikanische und sowjetische Filme, einer amerikanisch-sowjetischen Satelliten-Live-Show aus den 80ern bis hin zu einer aktuellen Videokunstarbeit , die von der Desillusion der technischer Versprechungen erzählt.

Marcel Schwierin, Berlin. Kurator, Filmemacher. *1965 in Marburg/Lahn. Studium Fotografie, Ästhetik und Film. Filme seit 1989, u.a. Die Bilder (1994) und Ewige Schönheit (2003). Filmprogramme seit 1993, u.a. für Goethe-Institute, Werkleitz-Biennalen, Max-Ophüls-Preis und Int. Kurzfilmtage Oberhausen. www.schwierin.de

 

"Tatsache war, dass jedes der Programme vor filmhistorischen Entdeckungen nur so strotzte und in der assoziativen Reihung mehr auslöste als alle Theorie: So staunten etwa die deutschen Filmkunstheroen Matthias Müller und Christoph Girardet unabhängig voneinander Bauklötze über die seelenverwandte, hochstehende Ästhetik einer sowjetischen Dokumentarfilmentdeckung um ein Weltraumteleskop aus dem Jahre 1966 (Gordoe Smirenije von Pavel Kogan). Schwierin hatte zu dieser ins Mystische gehenden Technikballade die Müller/Girardet-Arbeit Manuel gestellt, in der technische Detailaufnahmen aus Science-Fiction-Filmen Erinnerungen an die Zukunft wecken. Das Programm war voller solcher Assoziationen und stopfte mehr Bildungslücken, als man zu besitzen glaubte. Kein etabliertes Festival in Deutschland macht uns die Historizität der Medien auf vergleichbare Weise bewusst. Nirgendwo sonst wird mit Filmgeschichte derzeit kreativer umgegangen." – Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau, 12.5.2005

Die Idee der Raumfahrt. Von der Projektion zum Projekt / Vortrag von Rebekka Ladewig, Kulturwissenschaftlerin, Berlin

Wenngleich es Phantasien über Weltraumflüge schon seit der Antike gibt, hat erst die technische Moderne das zu ihrer Realisierung notwendige Wissen hervorgebracht. Wie jeder technischen Utopie gingen auch hier den ersten Konstruktionsversuchen und Experimenten literarische Entwürfe voraus, von deren imaginärer Energie die Idee der Raumfahrt in der Folge angetrieben wurde. Der Vortrag möchte die Spur dieser Phantasien aufnehmen und deren Entwicklung bis hin zum Space Race der Supermächte in den 1960er Jahren und der amerikanischen Mondlandung nachzeichnen.

Rebekka Ladewig studierte Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie in Florenz, Lüneburg und Berlin. Sie ist seit 2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kulturtheorie und Mentalitätsgeschichte des Kulturwissenschaftlichen Seminars der Humboldt-Universität zu Berlin

Unter dem Thema "Imagologie der Rakete" beschäftigt sich Rebekka Ladewig seit einiger Zeit mit der Mythologie der Rakete und begreift deren Geschichte nicht nur als reine Technikgeschichte, sondern als Wunschphantasie. Vor diesem Hintergrund skizziert sie eine Kulturgeschichte der Rakete als Technik-Utopie vom Altertum bis in die Popkultur. In dieser Untersuchung spürt sie dem Konstrukt des "New West" auf und stellt die Frage, welches Design der Neue Westen hat und welche Bilder, Symbole und Metaphern eingesetzt werden, um den Neuen Westen im Spiegel der Hochtechnologien festzuschreiben.

Politik der Ekstase / Multimediale Vortragsperformance von Stefan Römer, Künstler, München

In einer Idealprojektion formulierten Aktivisten, Philosophen, Literaten, Psychologen, Religiöse und Künstler im 20. Jahrhundert keinen utopischen Ort, sondern eine Seinsweise, die sich grundsätzlich von dem unterscheidet, was man in der Gegenwart als Realität erlebt, die diesen Idealzustand verhindert. Mit der Einnahme unterschiedlichster Substanzen wurden ein anderes Erleben und eine gewünschte Zukunft mit anderen Herrschaftsverhältnissen projiziert. Wie lässt sich darüber sprechen, oder besser, wie lassen sich diese Erlebnisformen intellektuell nachvollziehen und visualisieren, ohne sie entweder moralisch zu verurteilen oder sie konsumierend zu bewerben? In einer multimedialen Performance nähert sich Stefan Römer dem schwarzen Monolithen.

 

Stefan Römer, Professor der Projektklasse für Neue Medien an der Akademie der Bildenden Künste in München, arbeitet als Künstler, Fotograf und Filmemacher zwischen konzeptueller Kunstpraxis und Kunsttheorie. Seit 2003 im Vorstand des kunstraum muenchen. Publikationen (Auswahl): Künstlerische Strategien des Fake - Kritik von Original und Fälschung, 2001, Corporate Psycho Ambient, 2001, Begegnungen mit Deutschen, 2003, Temporäre Architektur, 2005. In Kürze erscheint: Berichte aus dem Conceptual Paradise. Filme (Auswahl): The Analysis of Beauty, 1998, Corporate Psycho Ambient, 2003, Conceptual Paradise, 2005. Jüngste Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl): Just do it!, Lentos Kunstmuseum, Linz, 2005, DE-REGULATION with the work of Kutlug Ataman, MUHKA Antwerpen, Herzliya Museum Tel Aviv, 2006, Jüdisches Leben in München, Ortstermine 2006.

 

 

 

Teil 2 | Dystopische Landschaft

Martin Beck, Bik Van der Pol, Mel Bochner & Robert Smithson, Büro für Konstruktivismus,
Cristina Gomez Barrio & Wolfgang Mayer, Trevor Paglen, Ines Schaber & Jörg Stollmann

Eröffnung: 9. November 2006, 19 Uhr / Dauer: 10. November 2006 bis 7. Januar 2007
Die Ausstellung ist vom 23. Dezember 2006 bis 3. Januar 2007 geschlossen.

Begleitprogramm:
23. November 2006, 19 Uhr, The Secret Bases / Vortrag und Performance von Trevor Paglen, Künstler und Geograph, Berkeley, USA
7. Dezember 2006, 19 Uhr Filmscreening / mit Dokumentarfilmen von Joris Ivens, Niederlande

 

 

Mit der Ausstellung "Dystopische Landschaft" eröffnet nach Workshop und Vortragsreihe der zweite Teil des Recherche- und Ausstellungsprojektes "The Domain of the Great Bear". "Dystopische Landschaft" widmet sich der Diskussion um einen erweiterten Naturbegriff, der die politischen Realitäten kritisch vergegenwärtigt - als Natur, die dem privaten Eigentum und ökonomischen Interessen untergeordnet ist, die der Aneignung von Ressourcen dient und sich immer weiter zur desertifizierten Umwelt entwickelt.
Der Titel des Gesamtprojektes geht zurück auf einen gleichnamigen Artikel von Mel Bochner und Robert Smithson, der 1966 in der Kunstzeitschrift "Art Voices" erschien und einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York beschreibt. Ihre Darstellung der Planetariumsprojektion als kurzweilige Fiktion eines kosmischen, grenzenlosen Raumes endet mit dem nüchternen Blick auf die Erde, die - jenseits von Zeit und Raum - ihr unendliches Potential in den menschenleeren Weiten einer von Katastrophen heimgesuchten Natur offenbart. Dieser Blick zurück steht bereits beispielhaft für einen Landschaftsbegriff, der technisch ausgebeutete Orte, unfruchtbare und menschenleere Gebiete einbezieht und als grenzenlose Räume für die Kunst definiert. Die Faszination vom entropischen Gehalt dunkler und zerfallener Welten mündete für die Land Art der 1960er Jahre in eine direkte Aneignung und künstlerische Denaturalisierung dieser Orte.

Damals wie heute steht die künstlerische Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen dem Potential einer erweiterten Natur und den technischen Realitäten ihrer Beherrschung. Die unwirtliche Landschaft hat eine von globalen Prozessen bestimmte Umwidmung erfahren und ist heute weniger ein Refugium für individuelle Möglichkeiten, als vielmehr ein durchrationalisierter und von politischen wie wirtschaftlichen Interessen definierter Ort.
Dem begegnen die eingeladenen Künstler in ihren Arbeiten und kontextualisieren einen sowohl historischen wie auch aktuellen Umgang mit Natur. Die Ausstellung zeigt Bilder und Erzählungen von exploitierten Gegenden der militärischen oder touristischen Indienstnahme, den Randgebieten der zivilisatorischen Expansionsbewegung und deren Vermarktung sowie den Herausforderungen und Identitätserschütterungen des Subjekts in der Konfrontation mit der dystopischen Landschaft.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Hypo-Kulturstiftung und die Siemens AG.

 

 

 

 

Pressematerial:

The Domain of the Great Bear, dreiteiliger Flyer zum Recherche- und Ausstellungsprojekt des kunstraum muenchen

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Archiv mit Sourcebook / Materialsammlung
Im Vorfeld der Ausstellung fand über mehrere Tage ein interdisziplinärer Workshop im kunstraum statt, zu dem – neben den Beteiligten des kunstraum muenchen – die Landschaftsarchitektin Sandra Bartoli/Büro für Konstruktivismus (Berlin), der Künstler Kai Schiemenz (Berlin) und der Technikhistoriker Alexander Gall (München) eingeladen wurden. Referenzmaterial und Rechercheergebnisse sind in einem Buch zusammengefasst und liegen in der Ausstellung aus.

 


Videostills aus Scenes (half modern, half something else [Reyner Banham, Scenes in America Deserta])

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Martin Beck – Scenes (half modern, half something else [Reyner Banham, Scenes in America Deserta]), 2002/2003 – Zweikanal-Videoinstallation (9 min 11 sec; 5 min 19 sec)
Tim Street-Porter, 1980 (Reyner Banham auf einem Bickerton Klappfahrrad beim Silurian Lake, California) - Cibachrome Print (28 x 35,5 cm)

Scenes bezieht sich auf die Reisen des britischen Architekturhistorikers Reyner Banham, die er seit 1968 in die Wüstenlandschaften des US-amerikanischen Südwestens unternahm. In emblematischen Standardeinstellungen sieht man unter anderem Züge durch endlose Gegenden fahren, eine panoptische Kameradrehung am Silurian Lake, einen ausgetrockneten Salzsee in der kalifornischen Mojave Wüste und eine Sequenz von gleichsam unbewegten Standeinstellungen von Frank Lloyd Wrights Wohnhaus und Schule „Taliesin West“. Beck verschränkt filmische und architektonische Referenzen mit Textfragmenten aus Banhams Buch Scenes in America Deserta (1982). Der Umschlag der Erstausgabe dieses Buches zeigt ein Foto, wie Banham auf einem Klappfahrrad quer über den südkalifornischen Silurian Lake fährt. Das Originalfoto von Tim Street-Porter, 1980, ist wiederum Teil von Becks Videoinstallation.
In Reyner Banhams Reisen durch die „America Deserta“ manifestiert sich seine Faszination für den endlosen, weiten Raum der Wüste. Für Banham eröffnet die Wüste einen gesellschaftlichen und individuellen Erfahrungsraum fernab von Gestaltung und Urbanität. Gleichzeitig lassen seine Wüstenerkundungen einen Pioniergeist spürbar werden, der den unendlichen Ort auf eigene Faust erobert und sich in dieser Grenzerfahrung immer wieder selbst neu entdeckt.

Martin Beck lebt und arbeitet in New York.

 

 


Videostills aus Trinity. April 2, 2005, New Mexico
photocredits j.n. van der pol

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Bik Van der Pol – Trinity April 2, 2005, New Mexico – DVD (32 min)

Die erste Atomexplosion fand am 16. Juli 1945 in Jornada del Muerte [Reise des Todes], einer Wüste in New Mexico statt, dem heutigen Trinity. Die Experimente in Trinity wurden von der Öffentlichkeit lange Zeit nicht wahrgenommen; ihre Auswirkung und Tragweite blieb unerkannt. Heute ist das Gebiet abgesperrt, wird aber zweimal im Jahr geöffnet und zieht an diesen Tagen viele Touristen an.
Bik Van der Pol zeigen in ihrem Film, dass es auf dem Gelände keine Attraktion im eigentlichen Sinn gibt, sondern dass das Spektakel vor allem in der Inszenierung einer zwar unsichtbaren, aber immer noch vorhandenen Gefahr besteht. So begeben sich Schulklassen, Veteranen und andere Besucher mit den Wärtern auf die gemeinsame Suche nach Spuren der atomaren Verseuchung. Das Sperrgebiet wird für kurze Zeit zu einem Erlebnisparcours aus Geschichten und Erinnerungen, Infotainment und Souvenirständen.

 

 


Biosphere 2


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Bik Van der Pol – Biosphere 2, 2005 – 15 Farbfotografien (88 x 61 cm)

Biosphere 2 ist ein künstliches, ökologisches System in Oracle, Arizona, das in den 1980er Jahren aus Stahl und Glas konstruiert wurde. Das Testgelände sollte die Lebensfähigkeit von Organismen in einem luftdicht abgeschlossenen Areal überprüfen. Eines der maßgeblichen Ziele hinter Biosphere 2 war die Vorstellung von einer zukünftigen Besiedlung des Weltraums. Um den unwirtlichen Verhältnissen auf den fremden Planeten begegnen zu können, wurde Biosphere 2 als computergesteuerte Simulation eines irdischen Lebensraums konzipiert, der als selbstversorgendes System den Pflanzen, Tieren und Menschen das Überleben unter extremen Umweltbedingungen garantieren sollte.
Biosphere 2 ist als wissenschaftliches Experiment gescheitert, bleibt aber als Technikvision und
Architekturdenkmal nach wie vor Anziehungspunkt für touristische Exkursionen in die „futuristische“ Wüste.

Bik Van der Pol (Liesbeth Bik und Jos van der Pol) arbeiten seit 1995 gemeinsam. Sie leben und arbeiten in Rotterdam. www.bikvanderpol.net

 

 

Cover von "The Domain of the Great Bear" von Mel Bochner und Robert Smithson (Art Voices, Herbst 1966)

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Mel Bochner & Robert Smithson – The Domain of the Great Bear, in: Art Voices, Fall 1966 – Zeitschrift (Leihgeber: Library, The Museum of Modern Art, New York)

Der Artikel beschreibt einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York, das die beiden Künstler regelmäßig besuchten. Die damals vorgefundene architektonische Struktur und die verschiedenen Vermittlungsebenen musealer Präsentation werden zum Ausgangsmaterial für ein assoziatives Text- und Bild-Sampling, das den Ort unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet. Wie das Museum oder die Galerie die Kunst räumlich begrenzt, so bleibt der Weltraum auf die endliche Struktur des Planetariums reduziert. Das Sternbild des Großen Bären steht symbolisch für das Bedürfnis nach Grenzerweiterung in kosmische Dimensionen und ist gleichzeitig Ausgangspunkt für den Blick zurück auf die von Katastrophen heimgesuchte, dystopische Erde.
Der Aufsatz ist ein frühes Beispiel für den veränderten Kunstbegriff der 1960er Jahre, der im Zusammenhang mit der Concept Art auch um kritische und diskursive Schriften erweitert wurde. Die Concept Art propagierte die Entmaterialisierung des konkret fasslichen Kunstwerks und gleichzeitig die Produktion von Texten, Diagrammen und Fotografien, die das Kunstwerk erst durch gedanklich-assoziative Prozesse in der Vorstellung des Betrachters existent werden lassen.

Mel Bochner lebt und arbeitet in New York. Robert Smithson, 1938-1973. www.robertsmithson.com

 

 

 


Wormholes


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Büro für Konstruktivismus – Wormholes, 2006 – Installation mit Styropor und Holz

Am Ende des Films "Donnie Darko" von Richard Kelly reist Donnie durch ein Wurmloch und rettet die Welt. Die "Welt" ist das persönliche Universum von Familie, Zuhause, Schule und der Auseinandersetzung mit Erwachsenen, die ihre Unschuld und ihre Hoffnungen längst verloren haben und nun tagtäglich ihren Nachwuchs korrumpieren. Nachdem Donnie durch das Portal eines Wurmlochs getreten ist, findet er sich 28 Tage vor seiner Zeit in seinem Bett wieder, wo kurz darauf die Turbine eines Flugzeugs einschlägt.
"Jeden Tag blicke ich von meiner Wohnung aus auf den Potsdamer Platz in Berlin. Um ihn und über ihm ist das Nichts, oder besser: die Wirklichkeit. Die Welt." Die simulierte Architektur des Platzes mit seinen Baugerüsten und Werbeplakaten erscheint Sandra Bartoli als Weltgefüge ohne Fixpunkte, gleich einem Wurmloch mit verschiedenen Portalen. "Sie enden irgendwo in der Wildnis des Tiergartens, in der goldenen Bibliothek des Kulturforums oder in meinem Wohnzimmer."
In der Auseinandersetzung mit diesen realen und fiktiven Unorten entwickeln Sandra Bartoli und Silvan Linden eine Raumstruktur für den kunstraum, die sich durch die gesamte Ausstellung zieht. Wormholes verformt den Innenraum in einen Ort der Vorstellung: irgendwo zwischen dystopischer Neo-Romantik, dem Fremden im Banalen und der Aufhebung des Raum-Zeit-Kontinuums.

Sandra Bartoli und Silvan Linden leben und arbeiten in Berlin. Sie haben 2006 das Büro für Konstruktivismus gegründet. www.buerofuerkonstruktivismus.de

 

 


Void of White

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Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer – Void of White, 1998-2002 – Dia-Installation (80 Dias) mit Soundtrack (ca. 65 min), Stimme: Joey Arias

Void of White versteht sich als Fortsetzung des Romans "Frankenstein or the modern Prometheus" von Mary W. Shelley, in dem am Ende die von Dr. Frankenstein erschaffene Kreatur zum Nordpol flieht, um sich in der Einsamkeit zu töten. In der erweiterten Geschichte von Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer findet dieser Selbstmord nie statt. Bis heute irrt die Kreatur in Isolation und Agonie durch die verlassene Eiswüste und stammelt wie im Delirium Wort-, Satz- und Textfragmente im blendenden Licht von Eis und Schnee vor sich hin. Um ihr Leben unter den Menschen zu sichern, hat sich die Kreatur zeitlebens an den Inhalten aus Büchern orientiert, die sie während der Flucht findet. So sind es Zitate aus verschiedenen Epochen und Sprachen mit denen sie sich artikuliert, Erinnerungen bewältigt, Gesehenes beschreibt und ihre Existenz hinterfragt. In der Grenzerfahrung des unwirtlichen Nordpols sind es Plutarchs "Lebensbeschreibungen", Miltons "Verlorenes Paradies" und Goethes "Werther", die sie in einem endlosen Monolog paraphrasiert und sich am Rande des Wahnsinns an den Versatzstücken der Zivilisation festhält.

Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer leben und arbeiten in Berlin. Seit 1998 arbeiten sie als Discoteca Flaming Star zusammen.

   



Limit Televideography

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Trevor Paglen - Control Tower. Tonopah Test Range, NV. Distance ~ 18 Miles, 2006 – DVD (Loop)

Viele US-amerikanische Militärbasen liegen verborgen und unzugänglich in den Wüstengebieten des Westens. Bis 1983 war die Tonopah Test Range (TTR) eine kleine Anlage für Raketen- und Atomwaffentests. Als das Jagdflugzeug F-117 (besser bekannt als Tarnkappenbomber) in Betrieb genommen wurde und heimlich und nur nachts zu Trainingszwecken flog, expandierte TTR zu einer Basis mit über 70 Hangars für die wachsenden Geschwader, die bis heute als Luftwaffenstützpunkt genutzt wird.
Trevor Paglen hat den Kontrollturm von TTR aus 18 Meilen Entfernung von einer Bergspitze mit einer speziellen, von ihm entwickelten 6000-mm-Linse aufgenommen. Diese Technik der "Limit Televideography" ermöglicht ihm, Ansichten einer Landschaft zu zeigen, die mit dem bloßen Auge nicht zu sehen und außerdem der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Durch die große Entfernung und das atmosphärische Flimmern der Hitze erhebt sich die Testrange wie eine Fata Morgana aus der Wüste.

Trevor Paglen lebt und arbeitet in Berkeley, Kalifornien. www.paglen.com

 

 


On movers and shapers

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Ines Schaber & Jörg Stollmann – On movers and shapers, 2001 – 2 Fotografien (2 x 2 m und 0,60 x 0,60 m), DVD (47 min)

"Die Stimmung, die kreiert wird, wenn man in die Siedlung fährt, dieser erste Eindruck verkauft das Projekt. Wenn die Menschen in den Südwesten kommen und die einzigartige Landschaft, die besondere Pflanzenwelt der Wüste sehen, wollen sie hier leben. Nur die Projektentwickler, die diese Atmosphäre bewahren und aufwerten, können die höchsten Preise verlangen." (M.S., City of
Phoenix Planning Department)

Früher galt die Wüste als der unbewohnbare Ort schlechthin. Die meisten Wohnsiedlungen im Südwesten der USA ersetzten die einheimische Wüstenvegetation durch eine tropische Landschaft: Man schuf eine Schatten spendende, Oasen ähnliche Umgebung. Besonders in den Gated Communities der 1980er und 1990er Jahre war dieser Kontrast das wesentliche Gestaltungsprinzip. Mehr noch als Tore oder Mauern trennte die Gestaltung der Landschaft Innen und Außen voneinander.
Heute ist die Wüste selbst zum Vorbild für das zu schaffende Ambiente im Inneren der Gated Communities geworden. Die wohlhabenden Siedlungen im Nordosten von Phoenix integrieren weitläufige Naturschutzgebiete und ergänzen sie mit gärtnerischen Wüstenlandschaften. Dabei ist der Ausblick dermaßen weitläufig – bis das Auge schließlich auf einen künstlichen oder natürlichen Hang oder kleinen Berg stößt –, dass die Hausbesitzer den Eindruck haben, das Innere ihrer eigentlich umzäunten Wohnanlage erstrecke sich endlos in die unberührte Wüste.
On movers and shapers untersucht die zukünftigen Landschaften räumlicher und sozialer Segre-
gation.

Ines Schaber lebt und arbeitet in Berlin. Jörg Stollmann lebt und arbeitet in Zürich und Berlin.

 

Ausstellungsplan Dystopsiche Landschaft

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Download des Ausstellungsplans mit Texten zu den einzelnen Arbeiten und Pressetext als .pdf

 

The Secret Bases / Vortrag und Performance von Trevor Paglen, Künstler und Geograph, Berkeley, USA

In den letzten fünf Jahren hat der Künstler und Geograph Trevor Paglen die US-amerikanische "black world" erforscht, ein 30-Billionen-Dollar-Militärprogramm, dessen Existenz die Regierung leugnet. In seinem performativen Vortrag wird Paglen anhand seiner Sammlung von Videos, Tonaufnahmen und Bildern die Ursprünge und Geschichte dieser "black world" aufzeigen und einen Einblick in seine extrem ungewöhnlichen Methoden geben, mit denen er diese Landschaft - die "eigentlich offiziell nicht existiert" - studiert. Im Rahmen des Vortrags wird Paglen Fotos der geheimen Militärbasen zeigen, die er aus einer Entfernung von mehreren Meilen mit Teleskopen und astronomischen Kameras aufgenommen hat. Außerdem wird er vorführen, wie er mehrere geheime CIA-Gefängnisse in Afghanistan gefunden und dokumentiert hat, wie man anhand der Beobachtung der Flugbewegung von herkömmlichen Flugzeugen geheime Militärprogramme aufstöbern kann und vieles mehr.

Trevor Paglen arbeitet als Künstler, Autor und als experimenteller Geograph am Department of Geography at the University of California, Berkeley. Seine Arbeit wurde präsentiert im Chicago Museum of Contemporary Art (2003), dem California College of the Arts (2002), MASSMOCA (2006), Halle 14 - Stiftung Federkiel (2006), Diverse Works (2005), und viele anderen Ausstellungen, Tagungen und im öffentlichen Raum. Er hatte Einzelausstellungen in Deadtech (2001), dem LAB (2005) und der Bellwether Gallery (2006).
Er publizierte im Blu Magazine, Art Journal, Cultural Geographies, Clamor Magazine, dem San Francisco Bay Guardian, dem Leonardo Music Journal und Cabinet Magazine. Sein erstes Buch, Torture Taxi: On the Trail of the CIA's Rendition Flights (zusammen mit AC Thompson) wird bei Melville House im Herbst 2006 verlegt.
Paglen erhielt ein BA der UC Berkeley, ein MFA der School of the Art Institute of Chicago, und absolviert gerade seinen PhD im Department of Geography an der University of California at Berkeley.

Filmscreening / mit Dokumentarfilmen von Joris Ivens, Niederlande

N I E U W E G R O N D E N (N E U E E R D E), Joris Ivens, NL, 1934, 28'
Zunächst 1930 als Stummfilm begonnen, vollendet Joris Ivens "Nieuwe Gronden" (Neues Land) 1934 mit einem Kommentar und einer musikalischen Begleitung von Hans Eisler. Der Film erzählt von dem gigantischen Projekt der Gewinnung neuen Agrarbodens durch die Trockenlegung der Zuiderzee. Ivens schildert eindrücklich den zehnjährigen Kampf der Arbeiter gegen das Wasser. Anstatt jedoch nach Fertigstellung des Großprojektes eine erfolgreiche Ernte einzufahren, führt die in der Zwischenzeit eingetretene Weltwirtschaftskrise zu massenhafter Arbeitslosigkeit, Überschussproduktion und dem Verfall der Preise von Agrarprodukten auf dem Weltmarkt.

P O W E R  A N D  T H E  L A N D, Joris Ivens, USA, 1940, 38'
Im Auftrag der amerikanischen Regierung entsteht 1940 der Film "Power and the Land". Hier kontrastiert Joris Ivens den harten Alltag auf den Farmen mit den Erleichterungen, die eine umfassende Elektrifizierung der Landwirtschaft bedeuten kann. In inszenierten Szenen wird der Nutzen von Farmkooperativen propagiert und die Unterstützung der Regierung eingeklagt, um die Stromversorgung auch in entlegenden Gegenden zu gewährleisten.

Der holländische Dokumentarfilmer Joris Ivens (1898-1989) ist einer der großen und kompromisslosen Bildvisionäre des 20. Jahrhunderts. In seinen sozialkritischen Filmen ergreift er Partei für die Arbeiterklasse und die Verbesserung ihrer Lebensumstände. Als Zeitzeuge und politischer Dokumentarist vermittelt Ivens in prägnanter Bildsprache revolutionäre und kämpferische Inhalte. Die filmischen Bilder dienen ihm dabei als Beleg für soziale Ungerechtigkeit. Zugleich übersteigen sie den Status des puren Dokuments und konfrontieren in einer Rhetorik des Erhabenen die Elemente der Natur - wie Feuer, Wasser und Wind - mit dem Menschen und seiner Technik.

 

 

Teil 1 | Workshop und Rahmenprogramm

15. Oktober 2006, 19 Uhr, Themenabend mit Präsentationen des Workshops*
und Beiträgen von Sandra Bartoli, Landschaftsarchitektin, Büro für Konstruktivismus, Berlin und Kai Schiemenz, Künstler, Berlin

16. Oktober 2006, 19 Uhr, "Cultural Confinement": Robert Smithson gegen den Rest der Welt / Vortrag von Prof. Dr. Philip Ursprung, Kunsthistoriker, Zürich

25. Oktober 2006, 19 Uhr, Wasserkraft und Weltgestaltung. Das Atlantropa-Projekt des Architekten Herman Sörgel / Vortrag von Dr. Alexander Gall, Technikhistoriker, Forschungsinstitut Deutsches Museum, München

1. November 2006, 19 Uhr, Walking Forward - Spaces of Disaster / Filmprogramm zusammengestellt von Florian Wüst, Künstler und Filmkurator, Berlin mit Filmen von David Lamelas, Takahiko Iimura, Vito Acconci, Die Tödliche Doris und Steven Matheson

*Workshop mit Heike Ander, Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, München, Wien / Sandra Bartoli, Landschaftsarchitektin, Berlin / Anja Casser, Kuratorin, Berlin / Beate Engl, Künstlerin, München / Alexander Gall, Technikhistoriker, München / Luise Horn, Kuratorin, München / Stefan Römer, Künstler, München / Kai Schiemenz, Künstler, Berlin
Kurzbios der Teilnehmer am Workshop

 

Unter dem Titel "The Domain of the Great Bear" veranstaltet der kunstraum muenchen ein dreiteiliges Recherche- und Ausstellungsprojekt. Das Projekt besteht aus einem Workshop mit anschließendem Vortrags- und Filmprogramm, auf das die beiden Ausstellungen "Dystopische Landschaft" und "Kosmische Sehnsucht" folgen.

"The Domain of the Great Bear" greift zurück auf das gleichnamige Projekt von Mel Bochner und Robert Smithson, das 1966 als Artikel in der amerikanischen Kunstzeitschrift "Art Voices" erschien. Der Artikel beschreibt einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York, das die beiden Künstler regelmäßig besuchten. Die vorgefundene architektonische Struktur und die verschiedenen Vermittlungsebenen musealer Präsentation werden zum Ausgangsmaterial für ein assoziatives Text- und Bild-Sampling, das den Ort unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet.

Für Bochner und Smithson entpuppt sich das Planetarium als "Modelluniversum", das die Vorstellung von Unendlichkeit permanent inszeniert, letztlich aber auf seine institutionelle Funktion zurückgeworfen bleibt. Wie das Museum oder die Galerie die Kunst räumlich begrenzt, so bleibt der Weltraum auf die endliche Struktur des Planetariums reduziert. Das Sternbild des "Großen Bären" steht dabei symbolisch für das Bedürfnis nach einer Grenzweiterung in kosmische Dimensionen und ist in Wirklichkeit nur eine mediale Fiktion. Schon kleinste Eingriffe in den technischen Ablauf der Planetariumsvorführung würden das gesamte projizierte Universum in eine endzeitliche Naturkatastrophe stürzen.

Der interdisziplinäre Workshop mit eingeladenen TeilnehmerInnen widmet sich den spezifischen Aspekten des Projektes von 1966 aus künstlerischer, technikhistorischer, architektonischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Die Ergebnisse werden für eine dokumentarische Präsentation in den nachfolgenden Ausstellungen aufbereitet. Vorträge und Filmprogramm diskutieren Visionen und Folgen technischer und gesellschaftlicher Expansionen in Landschaft und Kosmos.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

Sandra Bartoli: Hongkong, Sandra Bartoli, 2004

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Beate Engl: Urbanscape, 2004/2006
Fotoauskopplung aus der Videoanimation und - installation "Space is a place - Der öffentliche Raum ist eigentlich auch eine Fiktion", 2004

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Kai Schiemenz: Conunual Cinema within the Rings of Splendor; 2006

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"Cultural Confinement": Robert Smithson gegen den Rest der Welt
Als Robert Smithson von Harald Szeemann eingeladen wurde, an der Documenta 5 , 1972 teilzunehmen, lehnte er ab. Stattdessen veröffentlichte er im Katalog ein kurzes Statement mit dem Titel Cultural Confinement . Er kritisiert darin die Vereinnahmung der Kunst durch die Institution Museum. Smithsons Text markiert einen grundsätzlichen, bis heute schwelenden Konflikt, nämlich die Auseinandersetzung um die Vermittlung von Kunst. War dies ein letztes Rückzugsgefecht der Kunst, die ihre Autonomie aufgegeben hatte? Oder die Anleitungen für einen Neubeginn? Smithson starb ein Jahr später. Was ist aus seinem Erbe geworden?

Philip Ursprung ist seit 2005 Professor für Moderne und zeitgenössische Kunst an der Universität Zürich. Er lehrte zuvor an den Universitäten Genf und Basel, an der Universität der Künste Berlin sowie am Departement Architektur der ETH Zürich. Er ist Autor von Grenzen der Kunst: Allan Kaprow und das Happening, Robert Smithson und die Land Art (München, Silke Schreiber, 2003) und Herausgeber von Herzog & de Meuron: Naturgeschichte (Montreal, Canadian Centre for Architecture und Baden, Lars Müller, 2002). Er arbeitet an einem Buch über die Texte von Gordon Matta-Clark.

Wasserkraft und Weltgestaltung. Das Atlantropa-Projekt des Architekten Herman Sörgel
Herman Sörgel (1885-1952) verfolgte mit dem Atlantropa-Projekt das Ziel, durch den Bau eines gigantischen Damms bei Gibraltar das Mittelmeer abzusenken und so eine unerschöpfliche Energiequelle zu erschließen, neuen Lebensraum zu gewinnen und Europa politisch zu vereinigen. Die Geographie des Mittelmeerbeckens degradierte Sörgel dabei zur bloßen Verfügungsmasse seiner ingenieurtechnischen Vision. Während der Weltwirtschaftkrise stieß er damit auch bei einer breiten Öffentlichkeit auf große Resonanz.

Alexander Gall
1989 bis 1995 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie der Politikwissenschaft in München (LMU) und in Berlin (FU).
Seit 1996 Mitarbeiter im Forschungsinstitut für Technik- und Wissenschaftsgeschichte des Deutschen Museums
1996 bis 1998 Mitarbeit im Projekt "Forschung für den Markt: Geschichte der Fraunhofer-Gesellschaft" zu den thematischen Schwerpunkten mikroelektronische Forschung und regionale Strukturpolitik.
1998 bis 2002 Dissertation "zur Geschichte der Verkehrsinfrastrukturpolitik in Bayern".
Seit September 2005 im Rahmen des DFG-Projekts "Bilder, die die Welt erklären. Wissenschaftsfotografie und Öffentlichkeit (1890-1930)".

Veröffentlichungen (Auswahl):
Monografien: Das Atlantropa-Projekt. Die Geschichte einer gescheiterten Vision. Herman Sörgel und die Absenkung des Mittelmeers. Frankfurt, New York (Campus) 1998. | "Gute Straßen bis ins kleinste Dorf!" Verkehrspolitik in Bayern zwischen Wiederaufbau und Ölkrise. Frankfurt, New York (Campus) 2005 .
Aufsätze: Atlantropa: A Technological Vision of a United Europe, in: Erik van der Vleuten/Arne Kaijser (Hg.): Networking Europe. Transnational Infrastructures and the shaping of Europe, 1850-2000. Sagamore Beach (Science History Publications) 2006, S. 99-128. | Atlantropa - neue Städte für ein neues Meer, in: Gisela Jaacks (Hg.): Der Traum von der Stadt am Meer. Hafenstädte aus aller Welt [Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte]. Hamburg 2003, S. 156-165. | "Gute Straßen bis ins kleinste Dorf!" Verkehrspolitik und Landesplanung 1945 bis 1976, in: Thomas Schlemmer/Hans Woller (Hg.): Bayern im Bund, Bd. 1: Die Erschließung des Landes 1949 bis 1973. München (Oldenbourg) 2001, S. 119-204. | "Bundesligaspielregeln in der Wissenschaftspolitik". Föderalismus und die Forschungspolitik zur Mikroelektronik, in: Johannes Abele et al. (Hg.): Innovationskulturen und Fortschritts-erwartungen im geteilten Deutschland. Köln, Weimar, Wien (Böhlau) 2001, S. 147-164.

Walking Forward - Spaces of Disaster
David Lamelas' Film A Study of the Relationships Between Inner and Outer Space (1969) beschreibt die infrastrukturellen Gegebenheiten im Inneren und im immer weitere Kreise ziehenden Umfeld des Ausstellungsraumes, bis hin zum bevorstehenden Schritt der Menschheit auf den Mond. Die Geste der Raumerschließung wird im Filmprogramm mit der anthropomorphen Aneignung lebloser Materie verbunden und zeichnet das analytische wie ironische Bild einer Welt, die Katastrophen hervorbringt und verwertet. Mit Filmen und Videos von David Lamelas, Takahiko Iimura, Vito Acconci, Die Tödliche Doris und Steve Matheson. Kuratiert von Florian Wüst.

Programm (ausführliches Programm zum Download als Word-doc):
A Study of the Relationships Between Inner and Outer Space, David Lamelas, UK, 16mm, 1969, 20'
Kuzu (Junk), Takahiko Iimura, JPN, 16mm, 1962, 12'
Face of the Earth, Vito Acconci, USA, Video, 1974, 22'
Naturkatastrophenballet / Naturkatastrophenkonzert, Die Tödliche Doris, BRD, Video, 1983, 5'
Apple Grown in Wind Tunnel, Steve Matheson, USA, Video, 2000, 26

Florian Wüst, geb. 1970 in München, ist Künstler und Filmkurator. Er studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und besuchte das Master of Arts Programm des Piet Zwart Institutes, Willem de Kooning Academie, Rotterdam.
Jüngste Ausstellungen und kuratorische Projekte u.a. Stadt und Demokratie, FilmBühne Caligari, Wiesbaden (2006) | We all laughed at Christopher Columbus, Stedelijk Museum Bureau, Amsterdam, und Platform Garanti, Istanbul (2006) | 4. Kunstsommer Wiesbaden (2006) | This Land is My Land, Kunsthalle Nürnberg (2006) | Touching Politics, Kino Arsenal, Berlin (2005) | re:site montréal, Oboro, Montréal (2005) | Re:MODERN. Zur Renaissance der ästhetischen Moderne in der Gegenwartskunst, Künstlerhaus Wien (2005) | Circa Berlin, Nikolaj Contemporary Art Center, Kopenhagen (2005).
Florian Wüst lebt in Berlin und Rotterdam.

 

 

 

Videostill aus Apple Grown in Wind Tunnel, Steve Matheson, USA, Video, 2000, 26

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