The Domain of the Great Bear
Ein dreiteiliges Projekt kuratiert von Anja Casser, Beate Engl und Luise Horn, kunstraum muenchen 2006/2007
Teil 1 | Workshop und Rahmenprogramm | Pdf der Einladungskarte | Pressetext (zum Download als Word-doc)
Mel Bochner & Robert Smithson, Marcel Broodthaers, Büro für Konstruktivismus, Eröffnung: 17. Januar 2007, 19 Uhr / Dauer: 18. Januar bis 11. März 2007 Begleitprogramm:
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Im Zentrum der Ausstellung "Kosmische Sehnsucht" steht der Mythos vom unbegrenzten Raum des Weltalls. Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung ist der 1966 erschienene Artikel von Mel Bochner & Robert Smithson "The Domain of the Great Bear", in dem das Hayden Planetarium in New York als Ort der Wissensvermittlung und Simulation von kosmischer Wirklichkeit kritisch analysiert und manipuliert wird. Im Artikel verweisen die beiden Künstler immer wieder auf den Unterschied zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach einer Grenzerweiterung in kosmische Dimensionen und der real vorgefundenen, institutionellen Endlichkeit: Wie die Galerie oder das Museum die Kunst räumlich einschränkt, so reduziert das Planetarium den Weltraum auf ein "Modelluniversum", das in erster Linie durch die örtlichen Begebenheiten von Zeit und Raum bestimmt und auf die technischen Instrumentarien angewiesen ist. Seit 1966 hat sich durch die technische Entwicklung in der Raumfahrt und die zunehmende politische, ökonomische, aber auch kulturelle Verwertung des Weltalls die Vorstellung vom Kosmos entscheidend verändert. In "Kosmische Sehnsucht" werden Arbeiten von KünstlerInnen gezeigt, die sich mit den unterschiedlichen Fixierungen auf den Weltraum als utopischem Ort auseinandersetzen und dessen vielschichtigen Rückwirkungen auf die Erde nachspüren. Eine von Kai Schiemenz in den kunstraum eingebaute, orbitale Struktur ist als Aufenthaltsort und Diskussionsplattform benutzbar. Sie dient gleichzeitig als Projektionsfläche für den vom Künstler neu produzierten Film "solar system", in dem die Planetenkonstellation in einer Turnhalle "erlaufen" wird. Minimale Eingriffe in die architektonische Situation des kunstraums nimmt die Arbeit "Wormholes" des Büro für Konstruktivismus vor, um die von der Architektur vorgegebene Struktur mit einer zweiten, künstlichen Ebene aus Styropor zu überdecken und die räumliche Wahrnehmung zu irritieren. Beate Engl öffnet in ihrer Licht-Sound-Installation den Blick in eine fiktive Inszenierung des Großen Bären und stellt zugleich die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und technischem Fortschritt. Für die Foto-Serie "Stay Tuned" fertigte Stefan Wischnewski einen Nachbau der bei der ersten Mondlandung verwendeten Spezial-Kamera an und suchte die damaligen, dem Mond in ihrer Kargheit vergleichbaren Landschaften für die Aufnahme-Tests auf, vor deren Kulisse er seinen Nachbau erneut ablichtete. Tomas Saraceno bezieht sich in der von ihm entwickelten frei schwebenden, ballonartigen "Airport City" auf die Sehnsucht des Menschen, losgelöst und unabhängig von der Erde zu existieren, während Christoph Keller den sogenannten "Chemtrails" nachspürt, die als Kondensstreifen am Himmel keiner Fluglinie zugeordnet werden können und bereits zu diversen spekulativen Interpretationsversuchen führten. Das in der Ausstellung gezeigte, auf Stéphane Mallarmé zurückgehende Künstler-Buch "Un Coup de Dés jamais n'abolira le Hasard" von Marcel Broodthaers transformiert das typographische und stark metaphorische Gedicht Mallarmés in Balken- und Linien-Kompositionen - die letzte Seite zeigt das Sternbild des Großen Bären und lässt so die besondere poetische Aufladung des Themas deutlich werden. "Kosmische Sehnsucht" ist der dritte Teil des Ausstellungsprojekts "The Domain of the Great Bear". Der erste Teil legte mit einem Workshop und Vortragsprogramm die theoretische Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Faszination für unendliche, weite Räume und den realen Folgen menschlicher und technischer Expansion in neue oder neu zu erschließende Gebiete. Der zweite Teil, die Ausstellung "Dystopische Landschaft", widmete sich dem bei Smithson und Bochner ebenfalls thematisierten Blick zurück auf die Erde und zeigte Arbeiten von KünstlerInnen, die sich mit der desertifizierten Landschaft als Ort künstlerischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aktivitäten auseinandersetzen. |
Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Stiftung Kunstfonds Bonn, die Hypo-Kulturstiftung und die Siemens AG. |
Pressematerial:
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The Domain of the Great Bear, dreiteiliger Flyer zum Recherche- und Ausstellungsprojekt des kunstraum muenchen |
Archiv mit Sourcebook / Materialsammlung
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Cover von "The Domain of the Great Bear" von Mel Bochner und Robert Smithson (Art Voices, Herbst 1966) |
Mel Bochner & Robert Smithson – The Domain of the Great Bear, in: Art Voices, Fall 1966 – Zeitschrift (Leihgeber: Library, The Museum of Modern Art, New York) Der Artikel beschreibt einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York, das die beiden Künstler regelmäßig besuchten. Die damals vorgefundene architektonische Struktur und die verschiedenen Vermittlungsebenen musealer Präsentation werden zum Ausgangsmaterial für ein assoziatives Text- und Bild-Sampling, das den Ort unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet. Das Sternbild des "Großen Bären" steht dabei symbolisch für das Bedürfnis nach Grenzerweiterung in kosmische Dimensionen und ist gleichzeitig Ausgangspunkt für den Blick zurück auf die Erde. Mel Bochner, geb. 1940 in Pittsburgh (USA), lebt in New York. Robert Smithson, 1938-1973, geb. in Passaic, NJ (USA) |
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N.N. |
Marcel Broodthaers – Un coup de dés jamais n’abolira le hasard, 1969 Das Künstlerbuch Un coup de dés jamais n‘abolira le hasard stellt eine Adaption von Stéphane Mallarmés (1842-1898) gleichnamigem Gedichtband von 1914 dar, der als Vorläufer der modernen konkreten Poesie gilt, die mit einer abstrakt-visuellen Typographie arbeitet. Die Sinnfragmente des Gedichts bewegen sich an den Grenzen des Denkbaren und Darstellbaren und kreisen metaphorisch um Reisen durch Zeit und Raum sowie um einen Schiffbruch. Astrologische und kosmologische Referenzen durchziehen den Text, wobei die Analogie zwischen Himmel und Buchseite so weit geht, dass die letzte Doppelseite in der Verteilung der Verse dem Sternbild des Großen Bären nachempfunden ist. Broodthaers adaptiert diesen Text in seiner besonderen Typographie und transformiert ihn in ein Bild ohne Textelemente. Er ersetzt dazu die Wörter bzw. Zeilen durch schwarze Balken, die als unterschiedlich lange und dicke Linien gedruckt sind. Marcel Broodthaers, 1924-1976, geb. in Brüssel (B) |
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Wormholes |
Büro für Konstruktivismus – Wormholes, 2006 – Installation mit Styropor und Holz Am Ende des Films "Donnie Darko" von Richard Kelly reist Donnie durch ein Wurmloch und rettet die Welt. Die "Welt" ist das persönliche Universum von Familie, Zuhause, Schule und der Auseinandersetzung mit Erwachsenen, die ihre Unschuld und ihre Hoffnungen längst verloren haben und nun tagtäglich ihren Nachwuchs korrumpieren. Nachdem Donnie durch das Portal eines Wurmlochs getreten ist, findet er sich 28 Tage vor seiner Zeit in seinem Bett wieder, wo kurz darauf die Turbine eines Flugzeugs einschlägt. Sandra Bartoli und Silvan Linden leben und arbeiten in Berlin. Sie haben 2006 das Büro für Konstruktivismus gegründet. |
Modelluniversum |
Beate Engl – Modelluniversum, 2007 – Licht- und Soundinstallation, 11 min Die Installation Modelluniversium simuliert den Blick auf den leuchtenden Sternenhimmel. Das Gebiet des Großen Bären ist modellhaft aus Glasfasern und "Leds" nachgebaut, ähnlich wie in den Dioramen-Displays in Technikmuseen, die häufig eine eigene Atmosphäre der Faszination und Überhöhung ausstrahlen. Ein verfremdender Effekt tritt durch die Unterlegung der Installation mit einem tiefen Basston ein. Eingespielte Tonfragmente aus dem Film "Things to come" geben eine Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Wissenschaftlern über die wissenschaftliche Eroberung des Weltalls wieder: Während der Künstler, der im Film eine eher konservative Rolle einnimmt, den Fortschritt rigoros ablehnt und die Massen von dieser Haltung zu überzeugen versucht, äußern die Wissenschaftler zwar ebenfalls moralische Zweifel, sind aber letztlich von einer technikbestimmten Zukunft überzeugt. Beate Engl, geb. 1973 in Regen, lebt und arbeitet in München.
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The Chemtrails-Phenomenon |
Christoph Keller – The Chemtrails-Phenomenon, 2006, DVD, 10 min (Loop) Die Arbeit The Chemtrails-Phenomenon reflektiert die seit Mitte der neunziger Jahre populären Verschwörungstheorie über die sogenannten "Chemtrails". Anhänger der Theorie glauben, dass durch Beigaben von Additiven wie Barium und Aluminium in das Flugbenzin der Zustand der Erdatmosphäre beeinflusst wird, ohne dass die Öffentlichkeit davon unterrichtet ist. Sichtbares Anzeichen hierfür sind die Kondensstreifen von düsengetriebenen Flugzeugen am Himmel, die sich seither ungewöhnlich ausbreiten. Das Video zeigt Stills von im Internet kursierenden Filmen über Chemtrails, die von Stimmen verschiedener Aktivisten begleitet werden. Keller thematisiert in seiner Arbeit das Genre der Grassroot-Bewegungen, die mit begrenzten technischen Mitteln ihre Botschaft verbreiten. Für ihn ist eine Verschwörungstheorie zunächst nicht wahr oder falsch, sondern ein Kulturprodukt. Christoph Keller, geb. 1967 in Freiburg, lebt und arbeitet in Berlin. |
Christoph Keller – The Whole Earth, 2007, Projektion auf Ballon, 4 min (Loop) Die Arbeit The Whole Earth beschäftigt sich ebenfalls mit der Manipulation der Erdatmosphäre durch heimliche Beigaben zum Flugkerosin. Die auf den Wetterballon projizierten weißen Wolken vor blauem Himmel versinnbildlichen die Vorstellung vom blauen Planeten als heile Welt, wie sie seit den ersten Fotografien der Astro- und Kosmonauten im kollektiven Bildgedächtnis fest verankert ist. Die schwebende Kugel wird jedoch alle zwei Minuten von tosenden Flugzeugen durchstoßen, die die vermeintliche Idylle zerstören und das Bild vom blauen Planeten als Konstrukt entlarven. |
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Tomas Saraceno – Classification Air-Port-City / Genera, Species and Varieties, (Teil der Serie Air-Port-City), 2001-2003 Das Projekt Air-Port-City steht im engen Zusammenhang mit ausgiebigen technischen Forschungen, die Tomas Saraceno im Bereich der Entwicklung von ballonartigen Luftfahrzeugen unternommen hat. Durch die Konstruktion eines innovativen Materials (Aerogel) ist es ihm gelungen, Ballons herzustellen, die leichter als die sie umgebende Luft sind und somit ohne die Verwendung eines Brenners, sondern allein durch die Sonneneinstrahlung in den Himmel aufsteigen. Air-Port-City ist die Vision einer schwebenden Ballonstadt, die die Sehnsucht des Menschen aufnimmt, losgelöst von der Erde und mit der Natur in Einklang zu existieren. Die Fotomontagen zeigen eine utopische Welt über den Wolken, grenzenlos, in ständiger Veränderung und ohne gesellschaftliche und politische Restriktionen. Tomas Saraceno, geb. 1973 in San Miguel de Tucumàn (AR), lebt in Frankfurt. |
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solar system |
Kai Schiemenz – solar system, 2006 Kai Schiemenz war Teilnehmer des Workshops zu The Domain of the Great Bear und hat die zweiteilige Installation solar system für den kunstraum neu konzipiert. Kai Schiemenz, geb. 1966 Erfurt, lebt und arbeitet in Berlin |
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| Stefan Wischnewski – Stay tuned, 2005, Installation mit 6 Fotos Das auf Grundlage von vielseitiger Recherche- und Hintergrundarbeit entstandene Foto-Objekt-Projekt Stay Tuned greift das Thema der Medialisierung des Weltraums durch die Fotografie auf. Wischnewski hat die bei der ersten Mondlandung verwendete Spezial-Kamera aus Kleiderreisetaschen mit Weltempfänger, einer Reisetaschenlampe und Kopplung für eine Instant-Camera nachgebaut und suchte damit die damaligen Orte für die Aufnahme-Tests in Schweden auf, um dort erneut Fotos anzufertigen. So entstand an der schwedischen Westküste eine Fotoserie, die den Bezug zu der dort entwickelten Hasselblad Mondkamera aufnimmt und auf den zunehmenden Weltraumtourismus verweist. Wie die Mondkameras so hat auch der Künstler seine nachgebaute Kamera am Aufnahmeort zurückgelassen. Stefan Wischnewski, geb. 1974 in Neumünster, lebt in München. |
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Stefan Wischnewski – World Receiver Denver, 2006, Plastik World Receiver Denver rekuriert auf die Übertragungstechnik eines Radioteleskops, die in den 1980er Jahren weltweit die aus den Tiefen des Weltraums kommenden Radiowellen empfangen sollten. |
Stefan Wischnewski – Hubble, 2006, Plastik Hubble ist eine ironische Übersetzung des weltberühmten Teleskops und verweist auf Illustrationen der in der Populärkultur vielfach rezipierten Space-Hotels. |
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Ausstellungsplan Kosmische Sehnsucht Grösse: 200 kB |
Download des Ausstellungsplans mit Texten zu den einzelnen Arbeiten und Pressetext als .pdf |
Teil 2 | Dystopische Landschaft
Martin Beck, Bik Van der Pol, Mel Bochner & Robert Smithson, Büro für Konstruktivismus, Eröffnung: 9. November 2006, 19 Uhr / Dauer: 10. November 2006 bis 7. Januar 2007 Begleitprogramm:
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Mit der Ausstellung "Dystopische Landschaft" eröffnet nach Workshop und Vortragsreihe der zweite Teil des Recherche- und Ausstellungsprojektes "The Domain of the Great Bear". "Dystopische Landschaft" widmet sich der Diskussion um einen erweiterten Naturbegriff, der die politischen Realitäten kritisch vergegenwärtigt - als Natur, die dem privaten Eigentum und ökonomischen Interessen untergeordnet ist, die der Aneignung von Ressourcen dient und sich immer weiter zur desertifizierten Umwelt entwickelt. Damals wie heute steht die künstlerische Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen dem Potential einer erweiterten Natur und den technischen Realitäten ihrer Beherrschung. Die unwirtliche Landschaft hat eine von globalen Prozessen bestimmte Umwidmung erfahren und ist heute weniger ein Refugium für individuelle Möglichkeiten, als vielmehr ein durchrationalisierter und von politischen wie wirtschaftlichen Interessen definierter Ort. |
Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Hypo-Kulturstiftung und die Siemens AG. |
Pressematerial:
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The Domain of the Great Bear, dreiteiliger Flyer zum Recherche- und Ausstellungsprojekt des kunstraum muenchen |
Archiv mit Sourcebook / Materialsammlung
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Martin Beck – Scenes (half modern, half something else [Reyner Banham, Scenes in America Deserta]), 2002/2003 – Zweikanal-Videoinstallation (9 min 11 sec; 5 min 19 sec) Scenes bezieht sich auf die Reisen des britischen Architekturhistorikers Reyner Banham, die er seit 1968 in die Wüstenlandschaften des US-amerikanischen Südwestens unternahm. In emblematischen Standardeinstellungen sieht man unter anderem Züge durch endlose Gegenden fahren, eine panoptische Kameradrehung am Silurian Lake, einen ausgetrockneten Salzsee in der kalifornischen Mojave Wüste und eine Sequenz von gleichsam unbewegten Standeinstellungen von Frank Lloyd Wrights Wohnhaus und Schule „Taliesin West“. Beck verschränkt filmische und architektonische Referenzen mit Textfragmenten aus Banhams Buch Scenes in America Deserta (1982). Der Umschlag der Erstausgabe dieses Buches zeigt ein Foto, wie Banham auf einem Klappfahrrad quer über den südkalifornischen Silurian Lake fährt. Das Originalfoto von Tim Street-Porter, 1980, ist wiederum Teil von Becks Videoinstallation. Martin Beck lebt und arbeitet in New York. |
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Bik Van der Pol – Trinity April 2, 2005, New Mexico – DVD (32 min) Die erste Atomexplosion fand am 16. Juli 1945 in Jornada del Muerte [Reise des Todes], einer Wüste in New Mexico statt, dem heutigen Trinity. Die Experimente in Trinity wurden von der Öffentlichkeit lange Zeit nicht wahrgenommen; ihre Auswirkung und Tragweite blieb unerkannt. Heute ist das Gebiet abgesperrt, wird aber zweimal im Jahr geöffnet und zieht an diesen Tagen viele Touristen an.
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Bik Van der Pol – Biosphere 2, 2005 – 15 Farbfotografien (88 x 61 cm) Biosphere 2 ist ein künstliches, ökologisches System in Oracle, Arizona, das in den 1980er Jahren aus Stahl und Glas konstruiert wurde. Das Testgelände sollte die Lebensfähigkeit von Organismen in einem luftdicht abgeschlossenen Areal überprüfen. Eines der maßgeblichen Ziele hinter Biosphere 2 war die Vorstellung von einer zukünftigen Besiedlung des Weltraums. Um den unwirtlichen Verhältnissen auf den fremden Planeten begegnen zu können, wurde Biosphere 2 als computergesteuerte Simulation eines irdischen Lebensraums konzipiert, der als selbstversorgendes System den Pflanzen, Tieren und Menschen das Überleben unter extremen Umweltbedingungen garantieren sollte. Bik Van der Pol (Liesbeth Bik und Jos van der Pol) arbeiten seit 1995 gemeinsam. Sie leben und arbeiten in Rotterdam. www.bikvanderpol.net |
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Cover von "The Domain of the Great Bear" von Mel Bochner und Robert Smithson (Art Voices, Herbst 1966) |
Mel Bochner & Robert Smithson – The Domain of the Great Bear, in: Art Voices, Fall 1966 – Zeitschrift (Leihgeber: Library, The Museum of Modern Art, New York) Der Artikel beschreibt einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York, das die beiden Künstler regelmäßig besuchten. Die damals vorgefundene architektonische Struktur und die verschiedenen Vermittlungsebenen musealer Präsentation werden zum Ausgangsmaterial für ein assoziatives Text- und Bild-Sampling, das den Ort unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet. Wie das Museum oder die Galerie die Kunst räumlich begrenzt, so bleibt der Weltraum auf die endliche Struktur des Planetariums reduziert. Das Sternbild des Großen Bären steht symbolisch für das Bedürfnis nach Grenzerweiterung in kosmische Dimensionen und ist gleichzeitig Ausgangspunkt für den Blick zurück auf die von Katastrophen heimgesuchte, dystopische Erde. Mel Bochner lebt und arbeitet in New York. Robert Smithson, 1938-1973. www.robertsmithson.com
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Büro für Konstruktivismus – Wormholes, 2006 – Installation mit Styropor und Holz Am Ende des Films "Donnie Darko" von Richard Kelly reist Donnie durch ein Wurmloch und rettet die Welt. Die "Welt" ist das persönliche Universum von Familie, Zuhause, Schule und der Auseinandersetzung mit Erwachsenen, die ihre Unschuld und ihre Hoffnungen längst verloren haben und nun tagtäglich ihren Nachwuchs korrumpieren. Nachdem Donnie durch das Portal eines Wurmlochs getreten ist, findet er sich 28 Tage vor seiner Zeit in seinem Bett wieder, wo kurz darauf die Turbine eines Flugzeugs einschlägt. Sandra Bartoli und Silvan Linden leben und arbeiten in Berlin. Sie haben 2006 das Büro für Konstruktivismus gegründet. www.buerofuerkonstruktivismus.de |
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Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer – Void of White, 1998-2002 – Dia-Installation (80 Dias) mit Soundtrack (ca. 65 min), Stimme: Joey Arias Void of White versteht sich als Fortsetzung des Romans "Frankenstein or the modern Prometheus" von Mary W. Shelley, in dem am Ende die von Dr. Frankenstein erschaffene Kreatur zum Nordpol flieht, um sich in der Einsamkeit zu töten. In der erweiterten Geschichte von Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer findet dieser Selbstmord nie statt. Bis heute irrt die Kreatur in Isolation und Agonie durch die verlassene Eiswüste und stammelt wie im Delirium Wort-, Satz- und Textfragmente im blendenden Licht von Eis und Schnee vor sich hin. Um ihr Leben unter den Menschen zu sichern, hat sich die Kreatur zeitlebens an den Inhalten aus Büchern orientiert, die sie während der Flucht findet. So sind es Zitate aus verschiedenen Epochen und Sprachen mit denen sie sich artikuliert, Erinnerungen bewältigt, Gesehenes beschreibt und ihre Existenz hinterfragt. In der Grenzerfahrung des unwirtlichen Nordpols sind es Plutarchs "Lebensbeschreibungen", Miltons "Verlorenes Paradies" und Goethes "Werther", die sie in einem endlosen Monolog paraphrasiert und sich am Rande des Wahnsinns an den Versatzstücken der Zivilisation festhält. Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer leben und arbeiten in Berlin. Seit 1998 arbeiten sie als Discoteca Flaming Star zusammen. |
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Limit Televideography |
Trevor Paglen - Control Tower. Tonopah Test Range, NV. Distance ~ 18 Miles, 2006 – DVD (Loop) Viele US-amerikanische Militärbasen liegen verborgen und unzugänglich in den Wüstengebieten des Westens. Bis 1983 war die Tonopah Test Range (TTR) eine kleine Anlage für Raketen- und Atomwaffentests. Als das Jagdflugzeug F-117 (besser bekannt als Tarnkappenbomber) in Betrieb genommen wurde und heimlich und nur nachts zu Trainingszwecken flog, expandierte TTR zu einer Basis mit über 70 Hangars für die wachsenden Geschwader, die bis heute als Luftwaffenstützpunkt genutzt wird. Trevor Paglen lebt und arbeitet in Berkeley, Kalifornien. www.paglen.com |
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Ines Schaber & Jörg Stollmann – On movers and shapers, 2001 – 2 Fotografien (2 x 2 m und 0,60 x 0,60 m), DVD (47 min) "Die Stimmung, die kreiert wird, wenn man in die Siedlung fährt, dieser erste Eindruck verkauft das Projekt. Wenn die Menschen in den Südwesten kommen und die einzigartige Landschaft, die besondere Pflanzenwelt der Wüste sehen, wollen sie hier leben. Nur die Projektentwickler, die diese Atmosphäre bewahren und aufwerten, können die höchsten Preise verlangen." (M.S., City of Früher galt die Wüste als der unbewohnbare Ort schlechthin. Die meisten Wohnsiedlungen im Südwesten der USA ersetzten die einheimische Wüstenvegetation durch eine tropische Landschaft: Man schuf eine Schatten spendende, Oasen ähnliche Umgebung. Besonders in den Gated Communities der 1980er und 1990er Jahre war dieser Kontrast das wesentliche Gestaltungsprinzip. Mehr noch als Tore oder Mauern trennte die Gestaltung der Landschaft Innen und Außen voneinander. Ines Schaber lebt und arbeitet in Berlin. Jörg Stollmann lebt und arbeitet in Zürich und Berlin.
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| Download des Ausstellungsplans mit Texten zu den einzelnen Arbeiten und Pressetext als .pdf |
Teil 1 | Workshop und Rahmenprogramm
15. Oktober 2006, 19 Uhr, Themenabend mit Präsentationen des Workshops* *Workshop mit Heike Ander, Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, München, Wien / Sandra Bartoli, Landschaftsarchitektin, Berlin / Anja Casser, Kuratorin, Berlin / Beate Engl, Künstlerin, München / Alexander Gall, Technikhistoriker, München / Luise Horn, Kuratorin, München / Stefan Römer, Künstler, München / Kai Schiemenz, Künstler, Berlin
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Unter dem Titel "The Domain of the Great Bear" veranstaltet der kunstraum muenchen ein dreiteiliges Recherche- und Ausstellungsprojekt. Das Projekt besteht aus einem Workshop mit anschließendem Vortrags- und Filmprogramm, auf das die beiden Ausstellungen "Dystopische Landschaft" und "Kosmische Sehnsucht" folgen. "The Domain of the Great Bear" greift zurück auf das gleichnamige Projekt von Mel Bochner und Robert Smithson, das 1966 als Artikel in der amerikanischen Kunstzeitschrift "Art Voices" erschien. Der Artikel beschreibt einen Gang durch das Hayden Planetarium im Museum of Natural History in New York, das die beiden Künstler regelmäßig besuchten. Die vorgefundene architektonische Struktur und die verschiedenen Vermittlungsebenen musealer Präsentation werden zum Ausgangsmaterial für ein assoziatives Text- und Bild-Sampling, das den Ort unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet. Für Bochner und Smithson entpuppt sich das Planetarium als "Modelluniversum", das die Vorstellung von Unendlichkeit permanent inszeniert, letztlich aber auf seine institutionelle Funktion zurückgeworfen bleibt. Wie das Museum oder die Galerie die Kunst räumlich begrenzt, so bleibt der Weltraum auf die endliche Struktur des Planetariums reduziert. Das Sternbild des "Großen Bären" steht dabei symbolisch für das Bedürfnis nach einer Grenzweiterung in kosmische Dimensionen und ist in Wirklichkeit nur eine mediale Fiktion. Schon kleinste Eingriffe in den technischen Ablauf der Planetariumsvorführung würden das gesamte projizierte Universum in eine endzeitliche Naturkatastrophe stürzen. Der interdisziplinäre Workshop mit eingeladenen TeilnehmerInnen widmet sich den spezifischen Aspekten des Projektes von 1966 aus künstlerischer, technikhistorischer, architektonischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Die Ergebnisse werden für eine dokumentarische Präsentation in den nachfolgenden Ausstellungen aufbereitet. Vorträge und Filmprogramm diskutieren Visionen und Folgen technischer und gesellschaftlicher Expansionen in Landschaft und Kosmos. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München. |
"Cultural Confinement": Robert Smithson gegen den Rest der Welt |
Philip Ursprung ist seit 2005 Professor für Moderne und zeitgenössische Kunst an der Universität Zürich. Er lehrte zuvor an den Universitäten Genf und Basel, an der Universität der Künste Berlin sowie am Departement Architektur der ETH Zürich. Er ist Autor von Grenzen der Kunst: Allan Kaprow und das Happening, Robert Smithson und die Land Art (München, Silke Schreiber, 2003) und Herausgeber von Herzog & de Meuron: Naturgeschichte (Montreal, Canadian Centre for Architecture und Baden, Lars Müller, 2002). Er arbeitet an einem Buch über die Texte von Gordon Matta-Clark. |
Wasserkraft und Weltgestaltung. Das Atlantropa-Projekt des Architekten Herman Sörgel |
Alexander Gall Veröffentlichungen (Auswahl): |
Walking Forward - Spaces of Disaster Programm (ausführliches Programm zum Download als Word-doc): |
Florian Wüst, geb. 1970 in München, ist Künstler und Filmkurator. Er studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und besuchte das Master of Arts Programm des Piet Zwart Institutes, Willem de Kooning Academie, Rotterdam.
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Videostill aus Apple Grown in Wind Tunnel, Steve Matheson, USA, Video, 2000, 26 Grösse: 92 kB .jpg |